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Willmy Magazin Nr. 8 | Oktober 2015

REPORTAGEPAPIERMANUFAKTUR Foto: Martin Rehm Johannes Follmer nimmt mit einer Pinzette überschüssige Fasern vomrand des herausgesiebtenbreis, aus dem Papier wird. der Basler Papiermühle oder in der Büttenpapierfabrik in Scheune ansteht, geht Follmer deshalb lieber gar nicht erst Gmund am Tegernsee an. „Ich habe mir mein Wissen zu- an die Bütte. „Wenn die innere Ruhe fehlt, schadet das dem sammengesammelt.“ Papier.“ Schließlich muss bei einem Auftrag jeder Bogen die gleiche Konsistenz, die gleiche Stärke haben. „Papier braucht seine Zeit“ Sobald nur noch wenig Wasser vom Sieb tropft, legt er es Follmer gibt den Faserbrei aus Baumwolle, Wasser und vorsichtig auf den Rand der Bütte und tupft mit einer Pin- Leim in die Eichenbütte. Das Wasser, gibt er zu, kommt zette überflüssige Fasern vom Rand. Kleine Dellen bessert mittlerweile aus dem Wasserhahn und nicht mehr aus er mit einer Pipette aus. Dann dreht er das Sieb, legt den dem Bach. „Wobei die Gemeinde das Quellwasser auch zu Rechtecken erstarrten Faserbrei auf einer Filzunterlage als Trinkwasser nutzt – also ein Teil kommt nach wie vor ab und lehnt sich mit seinem Gewicht darauf. „Gautschen“ aus dem Bischbach.“ Mit einem Rührlöffel verquirlt er die heißt diese erste Pressung im Fachjargon, erklärt Follmer. Mischung kräftig. Wie träge Schneeflocken treiben die Über das Papier legt er einen weiteren Filz. Schicht um Baumwollfasern durch die Bütte, als Follmer behutsam das Schicht wächst der Stapel. Sieb in das Gemisch taucht und nach einigen Sekunden Ob sich der ganze Aufwand tatsächlich lohnt? „Anfangs genauso behutsam wieder heraushebt. Genau waagerecht. war ich schon skeptisch, ob das die richtige Entscheidung Konzentriert haftet sein Blick auf den weißen Rechtecken. war“, sagt der 44-Jährige. Doch inzwischen sei das Papier- Immer wieder rüttelt er an dem Sieb, damit sich die Fasern machen viel mehr für ihn als nur ein Beruf. „Es ist eine Be- möglichst gleichmäßig verteilten. Es sind kurze, kräftige rufung.“ Er glaubt an seine Arbeit. Und daran, dass es im- Bewegungen, bestimmt, aber nie hektisch. „Hektik ver- mer Menschen geben wird, die gutes Handwerk zu schätzen trägt sich überhaupt nicht mit dem Papiermachen“, sagt er. wissen. „Ich glaube sogar, dass es eher mehr wird“, sagt „Papier braucht seine Zeit.“ An Tagen, an denen im Museum er. „In unserer digitalisierten Welt ist vieles mittlerweile viel los ist oder eine Veranstaltung in der zu mietenden unfassbar geworden – da treibt es die Menschen zurück Willmymagazin | oktober 2015 33


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